Altern und Sterben in Haft – menschenunwürdig?
Impulse für eine praxisorientierte Menschenrechtsbildung im Studium der Sozialen Arbeit
Abstract
Aufgrund des demografischen Wandels ist zu erwarten, dass es künftig mehr lebensältere, gesundheitlich beeinträchtigte Menschen in Haft geben wird, ja dass auch das Sterben im Gefängnis keine Seltenheit mehr sein wird. Hierauf ist der deutsche Justizvollzug bislang noch nicht entsprechend vorbereitet. Vielmehr sind ältere Inhaftierte sozial isoliert, haben eingeschränkten Zugang zu resozialisierenden Maßnahmen und ein erhöhtes Viktimisierungsrisiko. Freiräume und Nähe für sterbende Strafgefangene sind ebenfalls nicht vorgesehen. Lebensältere Gefangene sind dadurch in besonderem Maße der Gefahr von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Es gibt jedoch in einzelnen Bundesländern bereits spezifisch an ältere Menschen angepasste Vollzugsformen. Auch wird das Thema „Sterben im Vollzug“ derzeit auf breiter Basis ethisch diskutiert und nach Lösungen gesucht, bei der die Autonomie der Sterbenden bestmöglich gewahrt werden kann. Es ist zu hoffen, dass diese Bestrebungen in Zukunft weiterverfolgt werden.